Tag 151 bis 168 – 6.000 km mit dem Tretroller auf dem Jakobsweg

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Route von Le Puy nach Speyer

Kilometer: 100,39 (!)

Fahrzeit: 6:34:36

Ækm/h: 15,2

Insgesamt: 6.086,49 km

Wetter: Sonne, nur ein Tag Regen

Location/Biwak/Camp: Speyer

Hurra, ich habe es geschafft! Yes, I did it! Yeah! Ich bin zweimal durch ganz Frankreich gefahren, ohne auch nur einmal in Hundescheiße zu treten. Dafür habe ich den goldenen Touristikorden am Bande verdient und die Aufnahme in die Ehrenlegion inkl. Champagner-Empfang im Élysée-Palast. Naja, ich habe auch ein wenig geschummelt. Ich habe ja immer ein Bein auf dem Trittbrett und das andere bewegt sich so schnell, dass die Wahrscheinlichkeit eine der berühmten Tretminen zu treffen sehr gering ist und als Wahl-Berliner bin ich als Fußgänger in den Städten sowieso immer mit gesenktem Haupt unterwegs. Wer Frankreich kennt, kennt das Problem …

Tage der Gastfreundschaft

Auf der Suche nach einem Campingplatz oder Chambre D’Hotes gab es nach Le Puy immer wieder Probleme. Entweder es gab gar nichts oder alles war voll. So kam es, dass ich von „Wildfremden“ einfach nach Hause eingeladen worden bin. Eindeutige Aussagen: „Du bist verrückt, aber nicht gefährlich!“ Sofort wurde Pizza gebacken, ein Grillabend organisiert, ein Zimmer hergerichtet, Wein serviert, Freunde angerufen oder der beste Platz im Garten für mein Zelt zugewiesen. Ich habe sogar einen ganzen Abend Französisch „geredet“ (soweit möglich) ohne mir die Zunge zu brechen. Vielen Dank an dieser Stelle.

Globetrotter unter sich

Kurz nach Le Puy traf ich Heidi und Marcos (siehe Foto), die von Japan bzw. China unterwegs nach Santiago de Compostela sind. Mit dem Fahrrad über den sog. Hippie-Trail nach Europa gekommen, trafen wir uns an einer Tankstelle um  Luft für unsere Reifen zu tanken. Übrigens die Erste seit dem ich wieder in Frankreich bin! Eine willkommene Abwechslung und lockerer Small Talk unterwegs. Eines Morgens wachte ich auf, und fragte mich, ob es nicht möglich wäre, 100 km an einem Tag mit dem Tretroller zu fahren? Nicht ganz optimale Bedingungen: manchmal Gegenwind, einige leichte Nieselschauer und herbstliche Temperaturen machten mir auf der Strecke zw. Besançon und Montbeliard zu schaffen. Nach exakt 100,39 km sah ich ein Hotel. Ich fiel völlig fertig und ohne Essen ins Bett. Es geht also, aber ich brauche das nicht noch mal!!! Am nächsten Morgen traf ich im Hotel auf Pierre, einem Anwalt aus Quebec in Kanada. Er versicherte mir, dass er im Urlaub sei und ich keine Rechnung bekomme, wenn wir ein Stück gemeinsam nach Mulhouse fahren. Als hätte ich vom letzen Tag noch nicht genug, fuhren wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 18 km/h die 60 km bis zum Campingplatz in Mulhouse. Hier verabschiedeten wir uns, ich fuhr weiter bis Neuenburg am Rhein in Deutschland – insgesamt mehr als 86 km. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ich kann nun wieder alle Schilder lesen, alkoholfreies Weisbier trinken und verstehe die Nachrichten im Fernsehen – also eigentlich verstehe ich gar nichts mehr. Kaum bin ich mal ein paar Monate nicht im Lande, steht die Welt Kopf: Sarrazin schafft Deutschland ab und probiert sich als SPD-Politiker in Eugenik und die CSU schafft die Wehrpflicht ab. Früher war das andersrum! Hey, was ist los mit Euch?

Erkenntnis des Tages: Ich will die alte bipolare Ordnung wieder haben! Es gibt Rechts, es gibt Links und irgendwo dazwischen stricken die Grünen einen Panzer – selbstverständlich für humanitäre Zwecke.

Advertisements

Tag 23 bis 25 – Tausend Kilometer ohne Pannen

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Route von Langenberg über Köln nach Düren

Kilometer:

Fahrzeit:

Ækm/h:

Insgesamt: 1002 km (!)

Wetter: Sonne ohne Ende

Location/Biwak/Camp: Düren

Mit neuen Karten kam ich auch auf den schlecht ausgeschilderten Strecken sehr gut zurecht. Orientierung für Dummies bzw. für solche, die es können! Wenn der internationale Flugverkehr auf Sicht fliegen kann, kann ich das schon lange und verzichte auf den Lotsendienst der Gemeinden. Am Abend einen Campingplatz direkt am Rheinufer gefunden und den besten Sonnenuntergang der Tour bis jetzt erlebt. Die Nacht hatte leider wieder nur 2 Grad über Null.

Tag der Gastfreundschaft

Der Morgen begann schon mal richtig gut. Sofia und Kosta aus Griechenland boten mir nach dieser bitterkalten Nacht (ich habe mich inzwischen daran gewöhnt) erst mal einen Kaffee an. Als Kaffee-Junky kann ich da nicht Nein sagen. Es folgte ein selbst gemachtes monstergroßes Stück Marmorkuchen. Zum Abschied gab es ein megamonstergroßes Stück superlecker Marmorkuchen und Kekse als Verpflegungsaufstockung. So gestärkt war es nur noch ein Katzensprung bis zur Domplatte in Köln. Hier traf ich mich mit Maaak und seinen Rollerfreunden vom Tretroller-Portal. Anwesend auch, Journalisten von der Kölnische Rundschau mit einem Interviewwunsch. Maaak hatte bereits eine Unterkunft für mich organisiert. Danach hatte ich bzw. wir einen wirklich tollen Abend im Biergarten bei Kölsch und sehr gutem Essen. Hier noch mal vielen Dank für die Einladung an alle und ganz besonders an Maaak (inkl. Familie) und Lutz. Für mich war es sehr interessant, mal mit Tretrollersportler zu fachsimpeln über Tretroller-Technik, den richtigen Bewegungsablauf beim Kicken und über die Szene überhaupt. Etwas später kam Lars hinzu, der Weltranglisten Erste der Tretrollerfahrer. Von diesem Durchschnittstempo kann ich nur träumen.

Am nächsten Morgen kam Maaak noch kurz zur Verabschiedung und Lutz begleitete mich noch ein Stück aus Köln hinaus und erweiterte meine Reiselektüre um „Peter Hein – Geht so“.

1.000 km ohne Panne. Die Stadt Düren war so freundlich, mir punktgenau zur 1.000-km-Marke ein Sofa auf die Straße zu stellen. Das nenne ich mal einen gebührenden Empfang …

Erkenntnis des Tages: (Gast-) Freundschaft ist echt cool.