Update aus Spanien

Vor ziemlich genau zwei Jahren traf ich Alvaro mit dem Einrad auf dem Jakobsweg. Damals dachte ich schon: Gott sei dank gibt es noch andere Verrückte! In der Mittagspause auf meinem Weg zu Fuß von Paris nach Berlin www.walkhard.de bekam ich eine eMail mit den Fotos, die er damals von mir gemacht hat. Also nicht böse sein, wenn auch ich nicht immer gleich Fotos weiterschicke … zwei Jahre sind für Spanier eigentlich ein guter Mittelwert … Wer mehr sehr gute Fotos von Alvaro und seiner Tour sehen möchte:  http://www.flickr.com/photos/boodoo_333/sets/72157627908891102/

 

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Tag 37 bis 40 – Paris mon amour

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Route von … nach …

Kilometer: 0

Fahrzeit: 0

Ækm/h: 0

Insgesamt: 1.550 km

Wetter: Sonne, wenig Wolken (…wenn Engel reisen…)

Location/Biwak/Camp: Paris

Ich weiß, man kann/darf/soll Paris nicht mit Berlin vergleichen. Aber: Sogar die obdachlosen Frauen hier haben mehr Chic als bei uns. Abgesehen davon möchte ich in keiner Stadt der Welt obdachlos sein. Auch hier hat der Trash Einzug gehalten, denn häufig habe ich beige Stiefel  gesehen (die völlige Abwesenheit von Farbe – oder auch der Friedhof der Farben), wahrscheinlich waren es deutsche Touristinnen. Aber wenigstens tragen sie hier die farblich passende Handtasche dazu und keine schwarz glänzenden Leggins. Die „wichtigen“ Gebäude werden von schneidigen und gut aussehenden, jungen, meist farbigen und weißen Polizisten oder Soldaten bewacht, die sehr gekonnt cool, gelangweilt, aber wachsam auf die Touristenmassen blicken. In Berlin steht meist ein dicker und ergrauter Polizist, der das Mittagessen noch auf seiner Krawatte trägt und verbeamtet den Touristinnen hinterherglotzt. Man stelle sich mal vor, vor dem Bodemuseum würden türkischstämmige Soldaten und  Brandenburger mit Maschinenpistolen stehen, die „Sicherheit“ ausstrahlen wollen (Hey, nicht falsch verstehen – Ihr kennt mich!).

Wir schaffen es hier doch tatsächlich bei Grün über die Straße zu kommen, ohne einen Spurt hinlegen zu müssen. In Berlin habe sogar ich (mit ca. 6,5 km/h normaler Berliner Hektik) Schwierigkeiten am Ku’Damm die Kreuzungen zu überqueren. Außerdem werden wir hier nicht ständig angerempelt, obwohl hier alles viel enger ist. Es ist, als wäre man in einem Fluss, nicht mal eine versehentliche Berührung ist möglich. Man hält Abstand, wartet, ist höflich, entschuldigt sich (wenn man im Weg steht) oder bewegt sich elegant aneinander vorbei.  Die Enge der Straßen und Gassen hier, würden in  Berlin in einer Massenschlägerei enden.

Fahrradfahren ist hier lebensgefährlich, vom Tretroller gar nicht zu reden. Aber da ich mit dem Ding auffalle, blieben mir die üblichen Hupkonzerte erspart. Seit meinem letzten Besuchen hat sich einiges verändert. Es gibt baulich abgeriegelte Fahrradwege (siehe Foto), die auch nicht von Autos zugeparkt werden können. Das wünsche ich mir für Berlin auch. Es gibt einen C&A, H+M – aber lassen wir das lieber, denn es gibt Tausende von Cafés und kleine Läden, die das uns gewohnte Stadtbild auflockern. Und: Keines dieser Cafés macht Pleite. Es sind nicht nur die Touristen, die die Cafés am Leben halten, sondern und vor allem die Franzosen und Pariser, die hier lange sitzen und quatschen, Geschäfte machen oder einfach mal nur die Zeitung bei einem Espresso lesen; oder mit dem iPhone die Welt regieren. Ich habe noch nie so viele iPhones gesehen. Die Pariser sind verrückt nach den Dingern. Vom Müllmann bis zum Geschäftsmann hat hier (gefühlt) jeder Zweite ein iPhone. Und alle sind ständig damit beschäftigt. So falle ich mit meinem, extra für die Reise besorgten iPhone nicht mehr auf. Um die Telefonkosten nicht ins Unermessliche zu steigern, habe ich mir heute eine französische Prepaid-Karte besorgt. Bei Orange F geht es zu wie in einem Telekomshop; genervte Kunden, genervte Verkäufer, quengelnde Kinder und Kunden die der Landesprache nicht mächtig sind – das war dann wohl ich. Doch radebrechend Französisch, Englisch und Handysch habe ich jetzt eine französische Nummer und wohne in der Rue de Malte im 11. Arrondissement. Die Wartezeit war länger als die Bearbeitungszeit – also wie bei uns. Ich mag Paris, ich komme wieder …

Erkenntnis des Tages: Paris ist eine Reise wert.

PS: Jetzt muss ich noch mein Schutzblech vorne reparieren. Am Kanal, kurz vor Paris musste ich noch mal für kleine Tretrollerfahrer und habe Momentum nicht richtig abgestellt. Plötzlich macht es Kraaach und alles kippt um. Das Schutzblech ist dabei mitten entzweigebrochen. Selbst Schuld!

Tag 32 bis 36 – Mit Dick und Doof nach Paris

Route von Givet nach Paris

Kilometer: 87, 49

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Fahrzeit: 6:57:57

Ækm/h: 12,5

Insgesamt: 1.550 km

Wetter: Regen, Sonne max. 8 Grad

Location/Biwak/Camp: Paris – Place de la Republique

Nach einem Tag Zwangspause in Givet wg. Hagelschauer ging es bei 5 Grad und leichtem Regen durch die Ardennen weiter nach Paris – könnte jetzt bitte mal jemand die sch… Heizung anmachen und das Fenster schließen!

Die Orientierung ist deutlich einfacher, denn es gibt keine Radwege mehr! Mit neuen Michelin-Karten aus Givet ausgestattet finde ich mich gut auf den kleinen Departmentstraßen zurecht. Teilweise bin ich über einige Stunden der Einzige auf diesen Straßen. Es gab sehr viele Hügel, sodass ich abwechselnd schiebend und rollend unterwegs war – neuer Abfahrtsrekord: 57 km/h YEAH! Da soll mal einer sagen, der Jakobsweg wäre langweilig … das Land nordöstlich von Paris ist vergleichbar mit dem Fränkischen und wirtschaftlich mit Mecklenburg-Vorpommer. Hier sind so viele Häuser zu verkaufen, dass man sich fragt, warum da keiner hinziehen will oder alle weg wollen. Aber hier gibt es ja nichts – noch nicht einmal Gegend.

Zu allem Überfluss habe ich seit Belgien an meinem linken Knie eine allergische Reaktion auf einen Insektenbiss  – wo die bei der Kälte herkommen würde ich gerne wissen. Das Knie ist knallrot, fast doppelt so dick und juckt, als würde ich jede Stunde erneut mit Brennnesseln traktiert werden. In Givet ist auch noch mein linker Knöchel angeschwollen. Deshalb gebe ich jetzt meinen Beinen jeweils einen Namen: Dick ist links und Doof ist rechts, weil ich mit dem rechten Bein zwar sehr gut abstoßen kann, aber bei Abfahrten nicht sicher genug stehe. Trotzdem liegen die Tagesleistungen bei über 70 km und mehr.

Die Ankunft in Paris war einfach. Immer am Kanal entlang bis in die Innenstadt. Leider hatte ich mir noch keinen Stadtplan besorgt – Anfängerfehler! An einem Kiosk habe ich dieses Problem behoben. Sofort wurde ich wegen dem Tretroller angesprochen und sogar von der Polizei angehalten. Nur, um die üblichen Fragen zu beantworten – Woher? Wohin? Wie viele Kilometer? Warum? Und dann kommt immer ein anerkennendes BRAVO! Motivation pur! So macht eine Tour Spaß. Ein sehr hübsches Mädchen aus Algerien mit französischer Mutter auf einem Rennrad bemerkte meine Unsicherheit im Pariser Stadtverkehr und bot mir ihre Hilfe. Sicher führte sie mich bis zum Place de la Republique. Als ich ihr erzählte, dass ich im Hotel verabredet bin, verabschiedete sie sich sofort mit enttäuschter Stimmung. So einfach kann das manchmal sein…

Erkenntnis des Tages: Auch Dick und Doof haben manchmal Glück.